Eindrucksvoller Vortrag von Götz Aly am 11.02.2026

Am 11.02.2026 veröffentlicht

Am 11. Februar 2026 durften wir an unserer Schule einen besonderen Gast begrüßen: Der Historiker und Journalist Götz Aly sprach vor Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs und Gymnasiums St. Michael sowie des Städtischen Gymnasiums und der Therese-Münsterteicher-Schule. In seinem eindrucksvollen Vortrag stellte er die Rolle der „normalen Bevölkerung“ in der Zeit des Nationalsozialismus in den Mittelpunkt.

Alltag im Nationalsozialismus – ein Perspektivwechsel

Zu Beginn wandte sich Aly direkt an die Jugendlichen. Mit Fragen zum Bildungsgrad, zur Lebenserwartung, zum Renteneintrittsalter oder zur Zahl der Arbeitslosen regte er dazu an, sich die Lebensbedingungen der Menschen in den 1930er-Jahren bewusst zu machen. So entstand ein differenziertes Bild vom Alltag in einer Zeit, die häufig nur mit Terror und Diktatur verbunden wird.

Besonders eindrücklich schilderte er die ideologische Prägung junger Menschen durch antisemitisches Liedgut und gezielte Erziehung. Gleichzeitig zeigte er auf, dass das Regime mit sozialen Maßnahmen Zustimmung gewann: etwa durch die Einführung des 1. Mai als bezahlten Feiertag, gesetzlich geregelten Urlaub, Kindergeld, Mieterschutz oder die Senkung von Arztkosten. Solche Verbesserungen machten die Herrschaft für viele attraktiv.

Gewalt, Zustimmung und Verantwortung

Neben diesen sozialen Zugeständnissen herrschte jedoch ein hohes Maß an Gewalt. Politische Gegner wurden eingeschüchtert, verfolgt oder ermordet. Adolf Hitler baute mit der NSDAP eine Massenpartei auf, die verschiedene gesellschaftliche Gruppen vereinte. Widerstand blieb häufig vereinzelt.

Auch das Verhalten der Kirchen wurde thematisiert. Besonders ging Aly auf die Predigten von Clemens August Graf von Galen ein, der öffentlich gegen die Ermordung von Menschen mit Behinderungen protestierte. Zugleich wurde deutlich, dass dieser Widerstand nicht zu einer breiten kirchlichen Bewegung führte.

Ein persönliches Schicksal als Mahnung

Am Beispiel von Marion Samuel verdeutlichte Aly die grausamen Folgen der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik. Das elfjährige Mädchen wurde mit seiner Familie aus Berlin deportiert und später im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Von der Familie überlebte nur eine Person. Dieses Einzelschicksal steht stellvertretend für Millionen Opfer.

„Das waren auch wir“

Ein zentraler Gedanke des Vortrags lautete: Das nationalsozialistische System funktionierte nicht allein durch eine kleine Führungsgruppe, sondern durch die Mitwirkung vieler. Mitarbeitende der Reichsbahn organisierten Deportationen, Unternehmen profitierten von Zwangsarbeit, zahlreiche Menschen sahen weg oder passten sich an.

Der Vortrag regte die Zuhörerinnen und Zuhörer zum Nachdenken an und machte deutlich, wie wichtig historische Verantwortung und kritisches Denken in einer demokratischen Gesellschaft sind.

Wir danken Herrn Götz Aly herzlich für seinen Besuch und die nachhaltigen Impulse, die er unserer Schulgemeinschaft mitgegeben hat. Ein Herzlicher Dank geht an den Ehemaligenverein des Gymnasiums St. Michael und die Abiturientenvereinigung Ahlen und an den Kreis Warendorf, Förderprogramm „Demokratie leben lernen“, die die Veranstaltung finanziert haben.