Geschichtserfahrungen vor Ort

Am 17.02.2026 veröffentlicht

Bei eisigen Temperaturen begaben sich Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs St. Michael gemeinsam mit Lehrkräften und Mitarbeitenden der Schule auf eine besondere Reise: Ziel war die Hauptstadt Berlin – und mit ihr Orte, an denen deutsche Geschichte greifbar wird.

Der Stadtrundgang begann am politischen Zentrum der deutschen Demokratie, dem ehemaligen Reichstag und heute Bundestag. Von dort führte der Weg durch das Brandenburger Tor – ein symbolträchtiger Ort, der während der deutschen Teilung lange Zeit unüberwindbare Grenze war.

Am folgenden Tag stand der Besuch der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße auf dem Programm. Hier sind Teile der Mauer noch im Originalzustand erhalten. Besonders die Einzelschicksale der Menschen, die an der Grenze ihr Leben riskierten oder verloren, hinterließen bei vielen Teilnehmenden einen tiefen Eindruck. Die Berichte über das rigide Vorgehen des DDR-Regimes beim Bau der Mauer machten deutlich, wie einschneidend die Teilung für Millionen Menschen war.

Mit gemischten Gefühlen – zwischen Anspannung, Traurigkeit und Beklommenheit – fuhr die Gruppe schließlich weiter zur KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen. Die Frage „Wie schlimm wird es wirklich?“ begleitete viele auf dem Weg.

Gemeinsam durchschritt die Gruppe das Lagertor mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“. Was folgte, waren eindringliche Schilderungen des Lageralltags: ständiger Hunger, harte Zwangsarbeit, stundenlange Appelle in klirrender Kälte, unzureichende Kleidung, Schikanen und Misshandlungen durch die SS-Wachmannschaften. Viele Häftlinge starben an Entkräftung, Krankheit oder durch gezielte Tötung. Andere wurden in Vernichtungslager deportiert oder direkt vor Ort ermordet. Es waren dort Männer inhaftiert: politisch Gefangene darunter Kommunisten, Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Christen und Zeugen Jehovas sowie sozial und rassisch Verfolgte sogenannte »Asoziale«, »Arbeitsscheue« und »Berufsverbrecher«, Homosexuelle, Sinti und Roma und Juden. Das Lager war zunächst für 10.000 Männer geplant, doch diese Zahlen wurden sehr schnell deutlich überschritten, so dass die Haftbedingungen für die Insassen sich deutlich verschlechterten. Insgesamt durchliefen zwischen 1936 und 1945 über 130.000 Häftlinge das KZ Sachsenhausen. Über 21.000 von ihnen starben.

Besonders bewegend war die Konfrontation mit original erhaltenen Objekten, Baracken und Dokumenten. Die Kleidung der Häftlinge mit ihren Kennzeichnungen, die engen Schlafräume und die hygienischen Bedingungen vermittelten einen unmittelbaren Eindruck vom Leid der Gefangenen. Die anschaulichen Erklärungen der Gedenkstätten-Mitarbeiterin halfen dabei, historische Fakten mit persönlichen Schicksalen zu verbinden.

Nach dem Besuch trat die Gruppe nachdenklich die Heimreise an. Dieser Tag habe „mehr Einfühlsamkeit und Empathie für die Opfer“ geschaffen, berichtete eine Teilnehmerin. Zudem kam bei den Schülerinnen und Schülern Fragen nach dem eigenen möglichen Verhalten in jener Zeit und nach der Rolle der zahlreichen Mitläufer auf. Eine Teilnehmerin brachte die Bedeutung der Exkursion auf den Punkt: „Ich finde, es ist extrem wichtig, dass diese Menschen und die Qualen, durch die sie gegangen sind, nie in Vergessenheit geraten und sich so etwas nie wiederholt.“

Der Besuch in Berlin zeigte eindrücklich: Geschichte ist nicht nur ein Kapitel im Schulbuch. An authentischen Orten wird sie zur Verantwortung für die Gegenwart.